TSCHAKKA, DU SCHAFFST ES
Das Tagebuch der Nadine von Hohenwaldt

Januar 1944

Montag, 03. Januar 1944

Die ruhigen Tage sind vorbei, ab heute läuft das Uniprogramm wieder an. Leider habe ich Franz nicht auf dem Campus getroffen, seit dem letzten Mittwoch haben wir uns nicht mehr gesehen. Es ist schon komisch, wie sehr ich seine Gesellschaft schon nach ein paar Tagen vermisse.


Freitag, 07. Januar 1944

Jana, Gudrun, Elke und ich haben uns für morgen zum Schlittschuhlaufen auf dem See im Botanischen Garten verabredet. Die Sonne scheit zwar seit Tagen, aber es ist schweinekalt und würde mich fast lieber irgendwo drinnen aufhalten. Mama wird wahrscheinlich auch noch Einspruch anmelden angesichts der Gefahr, ich könnte mich verkühlen und in Kürze wieder mit einer Erkältung oder schlimmerem daniederliegen.
 

Montag, 10. Januar 1944

Habe das Wochenende doch gut überstanden. So lange waren wir dann doch nicht auf dem Eis und haben uns hinterher im Café Vaterland bei Tante Anna wieder aufgewärmt. Gestern Nachmittag hat mich Franz zu sich daheim eingeladen. Es war das erste Mal, dass ich bei ihm gewesen bin. Wir haben mit seiner Mutter Kaffee getrunken und uns recht nett unterhalten.

Frau Reeders ist eine wirklich liebreizende Person, die mit viel Energie versucht, das Geschäft ihres Mannes weiter zu führen. Der Vater von Franz ist seit längerem an der Ostfront vermisst und womöglich gefallen.

Beinahe habe ich das Gefühl gehabt, Frau Reeders ist noch aufgeregter über meinen Besuch gewesen als Franz. Ich kann sie nur als herzlich beschreiben. Sie war hörte neugierig zu, als ich von meiner Zeit in Nordafrika erzählte. Ihr Bruder diente ebenfalls im Afrikakorps. Als ich mich später auf den Heimweg machen musste, begleitete mich Franz noch ein Stück und meinte unterwegs: „Sie mag dich.“ Das macht mich doch ein wenig stolz. 

Freitag, 21. Januar 1944

Lernen ist fürwahr eine anstrengende Tätigkeit. Nach und nach werden die Anforderungen der Professoren nach oben geschraubt und heute Vormittag wurde eine Klausur geschrieben, die sehr gewichtig in der Gesamtbenotung wird. Ich habe in den letzten Tagen etliche Stunden in der Universitätsbibliothek verbracht und Bücher gewälzt. Doch jetzt ist die Anspannung weg und ich sehe einem hoffentlich ruhigen Wochenende entgegen. Franz ist für eine Woche auf einem Pflichtkurs des Studentenbundes in einem Lager am Zobten. Wahrscheinlich größtenteils eine Propagandaveranstaltung. Er kommt erst am Sonntagabend zurück und ich werde ihn wohl erst Montag wiedersehen. Hoffentlich kommt nichts dazwischen.

Elke hat ihre Meinung über Franz noch immer nicht grundlegend geändert. Es stimmt mich traurig, dass ich nie etwas nur mit diesen zwei machen kann, den beiden mir wichtigsten Menschen.

Aus Amerika ist ein Brief gekommen von Rebecca und deren Pflegefamilie. – Ein komisches Gefühl, wenn die eigenen Geschwister so unerreichbar fern aufwachsen und man sie eigentlich gar nicht mehr kennt. Zu Anton in der Schweiz gibt es überhaupt keinen Kontakt. Es erstaunt mich eigentlich, dass sämtliche Länder ringsum die Schweiz von uns besetzt sind, die Immunität dieser kleinen Republik jedoch von Berlin akzeptiert wird. Wahrscheinlich haben die Nazioberen alle ihre geheimen Konten bei Schweizer Bankhäusern.